Aneignung beschreibt den Prozess, durch den Menschen den sie umgebenden Raum aktiv gestalten, umdeuten und sich zu eigen machen. Im architektonischen Kontext geht es darum, wie Nutzer*innen über die ursprünglich geplante Funktion eines Raumes hinausgehen und ihm neue Bedeutungen verleihen.
Es ist ein Akt des Widerstands gegen die rein funktionale, ökonomische Logik der Stadt – ein Zurückerobern von Lebensqualität und kollektivem Raum.
Kann man Aneignung bewusst provozieren?
„Die Stadt ist eine von Männern gemachte Welt. Sie ist für eine Person gebaut, die sich keine Sorgen um Sorgearbeit, Sicherheit oder Barrierefreiheit machen muss."
Die Angst von Frauen in der Stadt ist eine Form der sozialen Kontrolle. Sie schränkt unsere Bewegungsfreiheit ein, unsere Wahl des Wohn- und Arbeitsortes und unser Gefühl der Zugehörigkeit.
Raum der sich von verschiedensten Positionierungen gleichzeitig feministisch aneignen lässt
02 — Studien
Tuckel, P., Milczarski, W. und Benediktsson, M. O. (2016) Behavior of New York City Subway Riders. New York: Hunter College, City University of New York.
Die studentischen Forscher in dieser Studie beobachteten Verstöße gegen fünf Regeln des Verhaltens in der U-Bahn: Manspreading (breitbeiniges Sitzen), das Tragen eines Rucksacks im Stehen in einem überfüllten Zug, Essen, Körperpflege und das Blockieren von Haltestangen („pole-hogging").
In der Gesamtstichprobe wurde festgestellt, dass 39 Prozent der stehenden Fahrgäste einen Rucksack trugen und 26 Prozent der sitzenden männlichen Fahrgäste „Manspreading" betrieben. Beide Verhaltenskategorien werden zu schwerwiegenderen Etiketteverstößen, wenn es im Zug voll wird.
Der Anteil der stehenden Fahrgäste, die einen Rucksack tragen, sinkt nur um wenige Prozentpunkte (von 41 % auf 37 %), wenn sich ein U-Bahn-Wagen von „fast leer" zu „vollständig besetzt" füllt. Ebenso gab es keine Anzeichen dafür, dass männliche sitzende Fahrgäste weniger zu „Manspreading" neigten, wenn sich die benachbarten Sitzplätze füllten.
Männer nutzen statistisch gesehen wesentlich häufiger diese raumeinnehmenden Posen. Dies korreliert mit soziologischen Theorien (wie von Nancy Henley), wonach das „Sich-Ausbreiten" ein Signal von Macht ist, während das „Sich-Zusammenziehen" Anpassung signalisiert.
— „Expansive Posture Displays Increase Attraction in Romantic Contexts" (2016). Tanya Vacharkulksemsuk, Elizabeth Reitman, P. Khutrakun, et al.
Die Auswertung der Bewegungsmuster zeigt deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der Raumnutzung auf dem Spielfeld sowie im Gartenbereich:
Mädchen gaben an gerne in Sport und Gesellschaftsspiele aktiv zu sein
→ dominieren weder Sportplatz noch Gartenflächen
Jungs gaben an lieber im Sport aktiv zu sein als Gesellschaftsspiele
→ Jungs dominieren Sportplatz und Gartenflächen
Widerspruch zwischen ihrem Nutzungswunsch und der tatsächlichen Präsenz.
03 — These